Entrepreneurship Education mit Power gestalten
Wie lassen sich Zukunftskompetenzen in Schule stärken? Darüber diskutierten Bildungsgestalterinnen und Bildungsgestalter beim Entrepreneurship Education Kongress auf der IdeenExpo 2026: Moderatorin Dr. Johanna Richter, Prof. Sven Ripsas, Joanna Haag, Mirjam Gerull, Mira Jago, Prof. Nikolaus Risch, Samir Roshandel, Anton Schoepe und Wilke Ziemann (v.l.). Foto: Niedersachsen Next Startup
Wie können junge Menschen in einer Welt mit Künstlicher Intelligenz zu kreativen Problemlösern, verantwortungsbewussten Gestalterinnen und Gestaltern und mutigen Möglichmacherinnen und Möglichmachern werden? Dieser Frage widmeten sich auf der IdeenExpo 2026 gleich mehrere Formate: der bundesweite Entrepreneurship Education Kongress, das 3. Länderforum Entrepreneurship Education sowie die Auftaktveranstaltung des Wettbewerbs DigitalSTARTer. Gemeinsam machten sie deutlich: Zukunftskompetenzen entstehen nicht allein durch Wissen, sondern vor allem durch Selbstwirksamkeit, Kreativität und den Mut, eigene Ideen umzusetzen.
Der von der Geschäftsstelle Gründung in school und Niedersachsen.next organisierte Entrepreneurship Education Kongress brachte rund 80 Bildungsgestalterinnen und -gestalter aus Schulen, Hochschulen, Ministerien und der Zivilgesellschaft zusammen. Im Mittelpunkt stand eine zentrale Frage: Welche Fähigkeiten brauchen Menschen in einer Welt, in der Wissen jederzeit verfügbar und Künstliche Intelligenz allgegenwärtig ist? Schnell wurde deutlich: Je leichter Wissen verfügbar wird, desto wichtiger werden Kreativität, Selbstwirksamkeit, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, eigene Ideen umzusetzen.
Was bleibt menschlich im Zeitalter von KI?
Prof. Dr. Mike Hoffmeister (Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften) richtete den Blick auf die Frage, was im Zeitalter von KI eigentlich zutiefst menschlich bleibt. Angesichts wachsender Unsicherheiten und psychischer Belastungen junger Menschen plädierte der interkulturelle Glücksforscher dafür, Positive Psychologie als festen Bestandteil von Entrepreneurship Education zu verstehen. Sein Credo: „Wenn ich meine Stärken einsetze, blühe ich auf.“
Daraus leitete er Zukunftskompetenzen wie Selbstwirksamkeit, Resilienz, Sinnorientierung und Beziehungsfähigkeit ab. KI könne dabei unterstützen, Wissen zu erschließen und Ideen weiterzuentwickeln: „Sie ist Assistenz, Sparringspartner und Berater, aber keine Führungspersönlichkeit.“ Verantwortung zu übernehmen und Menschen zu führen, bleibe eine zutiefst menschliche Aufgabe.
Vom Konsumieren zum Gestalten
Wie sich diese Kompetenzen systematisch entwickeln lassen, zeigte Prof. Dr. Johannes Lindner, Bundeskoordinator für Entrepreneurship Education in Österreich und einer der führenden europäischen Experten auf diesem Gebiet. Anhand der von ihm entwickelten „Entrepreneurial Journey“ machte er deutlich, wie Kinder und Jugendliche von der Grundschule an schrittweise unternehmerisches Denken entwickeln können. Entrepreneurship Education vermittelt weit mehr als Gründungswissen: Sie befähigt junge Menschen, Chancen zu erkennen und gesellschaftliche Herausforderungen aktiv mitzugestalten.
Dieser Gedanke zog sich durch den gesamten Kongress. Immer wieder wurde deutlich, dass Schule junge Menschen nicht nur auf Prüfungen, sondern auf eine Zukunft im Wandel vorbereiten muss. Dafür braucht es Freiräume, Praxisbezug und Lernformate, in denen Schülerinnen und Schüler eigene Erfahrungen sammeln können.
Lernen braucht Freiräume
Auch die Podiumsdiskussion machte deutlich, dass Entrepreneurship Education vor allem einen Kulturwandel in Schule und Bildung erfordert. Schulleiterin Mirjam Gerull (Ernst-Reuter-Schule Pattensen) betonte, dass unternehmerisches Denken nicht mit Arbeitsblättern vermittelt werden könne, sondern Freiräume, Eigenverantwortung und neue Lernformate brauche. Prof. Dr. Sven Ripsas (Hochschule für Wirtschaft und Recht/HWR Berlin) warb für einen Mindset, der Bestehendes hinterfragt und Scheitern als Teil des Lernens versteht: „Wenn ich scheitere, ist das meine Investition in die Weiterbildung.“ Prof. Dr. Nikolaus Risch (Heinz-Nixdorf-Stiftung) machte deutlich, dass dafür auch Lehrkräfte die notwendigen Kompetenzen und Handlungsspielräume benötigen. Einig waren sich die Diskutierenden: Zukunftskompetenzen entstehen dort, wo junge Menschen Verantwortung übernehmen und eigene Ideen in die Praxis bringen können.
Zukunftskompetenzen in der Praxis
Am Nachmittag zeigten Praxisimpulse und Workshops anhand von Schülerfirmen, Wettbewerben, Social Entrepreneurship und KI-gestützten Lern- und Ideentools, wie Entrepreneurship Education Unterricht lebensnäher, handlungsorientierter und zukunftsrelevanter machen kann.
Passend dazu stellte Prof. Dr. Elke Theobald Ergebnisse einer aktuellen Analyse der Geschäftsstelle Gründung in school zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Gründungsbildung vor. Die Untersuchung zeigt: KI ist in vielen Entrepreneurship-Initiativen bereits als Werkzeug für Recherche, Ideengenerierung und individuelles Lernen angekommen. Im Unterrichtssystem fehlt bislang jedoch häufig die strukturelle Verankerung sowie die notwendige Qualifizierung von Lehrkräften.
Gleichzeitig wurde klar: Erfolgreiche Entrepreneurship Education darf nicht allein vom Engagement einzelner Schulen oder Lehrkräfte abhängen. Es braucht langfristige Strukturen, politische Unterstützung und starke Netzwerke, um unternehmerisches Denken dauerhaft im Bildungssystem zu verankern.
Gemeinsam an den Rahmenbedingungen arbeiten
Bereits im Vorfeld des Kongresses kamen beim 3. Länderforum Entrepreneurship Education auf Einladung der Geschäftsstelle Gründung in school des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) Vertreterinnen und Vertreter aus den Bundesländern aus Wirtschafts-, Kultus- und Bildungsministerien sowie Akteurinnen und Akteure aus Netzwerken der Entrepreneurship Education zusammen. Im Mittelpunkt standen unterschiedliche Wege, unternehmerisches Denken dauerhaft im Schulalltag zu verankern.
Niedersachsen gab Einblicke in seine entstehende Landesstrategie, die Entrepreneurship Education entlang der gesamten Bildungskette systematisch stärken soll. Der gemeinsam von Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kultusministerium getragene Prozess soll erfolgreiche Einzelprojekte zu einer langfristigen Bildungsstrategie weiterentwickeln.
Schleswig-Holstein zeigte, wie eine solche strukturelle Verankerung bereits gelingen kann. Dort ist Entrepreneurship Education fest im Landeskonzept zur beruflichen Orientierung verankert. Schulen sind verpflichtet, in ihren Konzepten darzustellen, wie sie unternehmerisches Denken vermitteln – mit dem Ziel, dass jede Schülerin und jeder Schüler mindestens einmal während der Schulzeit praktische Erfahrungen mit Entrepreneurship Education sammelt.
Die beiden Länder zeigten, dass es unterschiedliche Wege gibt, Entrepreneurship Education nachhaltig im Bildungssystem zu verankern – entscheidend ist ein langfristiger, strategischer Ansatz.
Von der Idee zum Geschäftsmodell
Ebenfalls auf der IdeenExpo fiel der Startschuss für den niedersächsischen Schülerinnen- und Schülerwettbewerb DigitalSTARTer. Der Wettbewerb verbindet KI, Digitalisierung und Entrepreneurship Education mit der Entwicklung eigener Geschäftsideen.
In einer Podiumsdiskussion diskutierte Wilke Ziemann, Leiter der bundesweiten Geschäftsstelle Gründung in school, gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik darüber, welche Kompetenzen Schülerinnen und Schüler in einer Welt mit KI und Robotik benötigen.
Das Fazit knüpfte nahtlos an die Diskussionen des Kongresses an: Je leistungsfähiger KI wird, desto wichtiger werden die Fähigkeiten, die Maschinen nicht ersetzen können. Kreativität, kritisches Denken, Kommunikation, Zusammenarbeit, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, eigene Ideen umzusetzen, werden zu entscheidenden Zukunftskompetenzen. Entrepreneurship Education bietet dafür einen praxisnahen Lernansatz und schafft Erfahrungsräume, in denen junge Menschen genau diese Fähigkeiten entwickeln und erproben können.
Ob auf dem Kongress, im Länderforum oder beim DigitalSTARTer: Alle drei Veranstaltungen machten deutlich, dass Zukunft nicht einfach passiert. Sie wird von Menschen gestaltet: mit Kreativität, Verantwortungsbewusstsein, Teamgeist und dem Mut, Ideen Wirklichkeit werden zu lassen.