Siegeridee bei business@school: Wenn KI beim Schreibenlernen hilft
Mit ihrer Idee haben die Schülerinnen und Schüler vom FehlerFix das Deutschlandfinale 2026 von business@school gewonnen. Foto: business@school
Eine App, die nicht einfach nur Rechtschreibfehler markiert, sondern daraus ganz persönliche Übungen macht? Genau diese Idee haben Mariam, Blanca und Salvador von der Leibnizschule Wiesbaden entwickelt. Mit „FehlerFix“ wollen die drei Schülerinnen und Schüler mithilfe von KI dabei helfen, individuelle Schwächen in der Rechtschreibung zu erkennen und gezielt daran zu arbeiten.
Mit ihrer Geschäftsidee und dem dazugehörigen Businessplan gewann das Team das Deutschlandfinale von business@school, der Bildungsinitiative der internationalen Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG), in München. Im Gespräch erzählen Mariam, Blanca und Salvador, wie die Idee aus ihrem Schulalltag entstand, was FehlerFix besonders macht und was sie auf ihrem Weg zum Deutschlandfinale gelernt haben.
Was macht eure KI-gestützte Lern-App „FehlerFix“ besonders?
FehlerFix verbindet individuelles Lernen mit echter Handschrift. Man tippt also nicht einfach auf einer Tastatur, sondern schreibt mit dem Stift auf dem iPad – genau so, wie man es auch in der Schule macht. Unsere KI erkennt die individuellen Schwächen und hilft dabei, gezielt daran zu arbeiten. Besonders wichtig war uns: Wir zeigen nicht nur, dass etwas falsch ist, sondern erklären verständlich, warum es falsch ist und welche Regel dahintersteckt. Denn nur wenn man einen Fehler wirklich versteht, kann man ihn langfristig vermeiden.
Wie seid ihr auf die Idee für die KI-gestützte Lern-App „FehlerFix“ gekommen?
Die Idee ist direkt aus unserem Schulalltag entstanden. Wir sehen jeden Tag, wie viele Schülerinnen und Schüler Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung haben. Oft ist der Inhalt eigentlich gut, aber am Ende gehen trotzdem viele Punkte wegen Rechtschreibfehlern verloren.
Uns wurde klar: Das liegt nicht unbedingt an fehlender Motivation. Lehrkräfte haben in einer 45-Minuten-Stunde mit großen Klassen einfach nicht die Möglichkeit, jedem einzelnen Kind ausführlich zu erklären, warum genau ein Fehler entstanden ist. Genau da wollten wir ansetzen. Wir wollten eine Lösung entwickeln, die Schülerinnen und Schüler individuell unterstützt und ihnen hilft, ihre Fehler wirklich zu verstehen.
Wie funktioniert FehlerFix konkret und wie hilft die App Schülerinnen und Schülern dabei, ihre Rechtschreibung gezielt zu verbessern?
Am Anfang lädt man eigene Aufsätze oder Klassenarbeiten hoch oder schreibt direkt in der App kurze Texte – mit dem Stift auf dem iPad. Unsere KI analysiert die Handschrift und erkennt die individuellen Fehler. Daraus entsteht ein persönliches Fehlerprofil.
Auf dieser Grundlage erstellt FehlerFix Übungen, die genau auf die eigenen Schwächen zugeschnitten sind. Bei jeder Aufgabe wird außerdem erklärt, warum ein Fehler entstanden ist und welche Rechtschreibregel dahintersteckt. So lernen die Nutzerinnen und Nutzer nicht nur auswendig, sondern verstehen ihre Fehler wirklich und können sie langfristig vermeiden.
Was habt ihr durch die Entwicklung von FehlerFix und die Teilnahme an business@school gelernt, was im normalen Unterricht kaum vorkommt?
Unglaublich viel – zum Beispiel ganz praktische unternehmerische Fähigkeiten: wie man ein Geschäftsmodell entwickelt, Preise kalkuliert, mit potenziellen Nutzerinnen und Nutzern spricht, Feedback einholt oder sich mit Themen wie Datenschutz bei Minderjährigen beschäftigt.
Vor allem haben wir aber gelernt, selbstständig zu arbeiten und uns neues Wissen eigenständig anzueignen. Viele Themen, mit denen wir uns beschäftigt haben, kannten wir vorher überhaupt nicht. Wir mussten recherchieren, Experten kontaktieren, Lösungen finden und uns Schritt für Schritt in neue Bereiche einarbeiten. Das hat uns gezeigt, wie wichtig Eigeninitiative und selbstständiges Lernen sind.
Außerdem haben wir unsere Präsentationsfähigkeiten enorm weiterentwickelt. Wir haben gelernt, komplexe Inhalte verständlich zu erklären, überzeugend aufzutreten, mit Nervosität umzugehen und unsere Ideen vor einer Jury zu vertreten. Gleichzeitig haben wir durch die vielen Veranstaltungen und Begegnungen zahlreiche neue Menschen kennengelernt und uns ein großes Netzwerk aufgebaut. Der Austausch mit anderen Teams, Expertinnen und Experten sowie Menschen aus der Wirtschaft hat uns dabei neue Perspektiven eröffnet und gezeigt, wie wertvoll solche Kontakte auch über das Projekt hinaus sein können.
Gleichzeitig haben wir erfahren, wie wichtig Teamarbeit, gutes Zeitmanagement und Durchhaltevermögen sind. Diese Erfahrungen und Kontakte werden uns weit über die Schulzeit hinaus begleiten.
Was hat euch motiviert, trotz der vielen Arbeit an eurer Idee dranzubleiben?
Vor allem, dass wir ein Problem lösen möchten, das wir selbst jeden Tag erleben. Wir wissen, wie frustrierend es ist, wenn man sich viel Mühe gibt und trotzdem Punkte wegen der Rechtschreibung verliert. Mit jeder Rückmeldung von Schülerinnen, Schülern, Eltern oder Lehrkräften wurde uns klarer, dass dieses Problem viele Menschen betrifft. Besonders gefreut hat uns, dass über 90 Prozent der von uns Befragten gesagt haben, sie würden FehlerFix nutzen. Das hat uns gezeigt, dass unsere Idee wirklich gebraucht wird. Außerdem hat jeder Erfolg bei business@school uns noch mehr motiviert, weiterzumachen.
Wie fühlt es sich an, dass eure App anderen Schülerinnen und Schülern helfen könnte, sicherer zu schreiben?
Ehrlich gesagt richtig schön: Aus einem Problem, das wir selbst jeden Tag erleben, könnte etwas entstehen, das vielen anderen hilft. Wenn Schülerinnen und Schüler durch FehlerFix ihre Rechtschreibung nachhaltig verbessern, mehr Selbstvertrauen beim Schreiben entwickeln und dadurch vielleicht bessere Chancen in der Schule und später im Berufsleben haben, dann ist das für uns die größte Motivation. Zu wissen, dass unsere Idee das Leben anderer ein Stück einfacher machen könnte, gibt unserer Arbeit einen ganz besonderen Sinn.
Worauf seid ihr bei FehlerFix und eurem Weg bis ins Deutschlandfinale bisher besonders stolz?
Dass wir das Deutschlandfinale von business@school gewinnen konnten – das war für uns als Team ein ganz besonderer Moment und eine tolle Bestätigung für die Arbeit der vergangenen Monate.
Mindestens genauso stolz sind wir aber auf unseren gemeinsamen Weg. Wir sind als Team über uns hinausgewachsen und haben uns alle weiterentwickelt – fachlich, aber auch persönlich. Es gab immer wieder Momente, in denen etwas nicht wie geplant funktioniert hat. Trotzdem haben wir nie aufgegeben, sondern gemeinsam nach Lösungen gesucht und immer weitergemacht. Gerade dieses Durchhaltevermögen, der Zusammenhalt in unserem Team und der Glaube an unsere Idee machen uns heute besonders stolz. Rückblickend merken wir, wie viel wir nicht nur über Unternehmertum, sondern auch über uns selbst gelernt haben.
Über business@school
Wirtschaft verstehen, Ideen entwickeln, Gründergeist erleben – das ist das Ziel von business@school. Die Bildungsinitiative der internationalen Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) bringt seit 1998 Wirtschaftswissen praxisnah in Schulen. Ein Schuljahr lang arbeiten Oberstufenschülerinnen und -schüler mit Lehrkräften und engagierten Coaches aus über 20 Partnerunternehmen an eigenen Geschäftsideen.
Jedes Jahr machen rund 1.000 Jugendliche an 70 Schulen in Deutschland, Österreich, Italien, Großbritannien, Albanien und der Schweiz mit – über 32.000 waren es bisher.
Mehr Informationen hier: www.businessatschool.de