Startup Factories: Die Brücke zwischen Schule und Hochschule
Eric Heintze (NXTGN Management GmbH) und Magdalena Weinle (Hochschule der Medien Stuttgart/YEEP) erklären, warum erfolgreiche Gründungsförderung bereits in der Schule beginnt und wie durchgängige Gründungspfade entstehen. Fotos: NXTGN
Wie entsteht aus früher Talentförderung mehr Gründung? Mit den EXIST Startup Factories baut die Bundesregierung bundesweit neue Innovationszentren auf, um wissensbasierte Ausgründungen zu stärken. Die NXTGN Startup Factory gehört zu den ausgewählten Standorten. Ihr Schwerpunkt liegt auf einem effizienteren Transfer von Forschung und Technologie in Gründungen – zugleich arbeitet sie daran, den Weg von der Schule bis zur Gründung enger zu verzahnen.
Ein zentraler Baustein im Bereich Entrepreneurship Education ist das Young Entrepreneurs Excellence Program (YEEP), das Jugendliche bereits während der Schulzeit mit Mentoring, Praxisprojekten und Netzwerkangeboten ins Innovationsökosystem begleitet.
Im Interview geben Eric Heintze von der NXTGN Management GmbH und Magdalena Weinle von der Hochschule der Medien Stuttgart mit ihrem Projekt YEEP Einblick in diesen Aufbauprozess und in die Frage, wie früh unternehmerische Bildung beginnen muss.
YEEP begleitet junge Menschen bereits während der Schulzeit, NXTGN baut Strukturen für wissensbasierte Ausgründungen auf. Wo treffen sich diese beiden Welten konkret?
Eric Heintze: Genau darin liegt der entscheidende Punkt: Bislang haben sich diese beiden Welten kaum getroffen. Entrepreneurship Education beginnt häufig erst an Hochschulen – dabei zeigen Studien, dass viele Jugendliche bereits in der neunten oder zehnten Klasse wichtige Weichen für ihren späteren Berufsweg stellen. Wer unternehmerisches Denken fördern möchte, muss deshalb deutlich früher ansetzen.
Hier setzt die Zusammenarbeit von YEEP und der NXTGN Startup Factory an. Ziel ist es, die Lücke zwischen Schule und Hochschule zu schließen und jungen Menschen einen kontinuierlichen Weg ins Gründungsökosystem zu eröffnen. Statt Talente nach ersten Wettbewerben oder Projekten zu verlieren, sollen sie langfristig begleitet und darin bestärkt werden, unternehmerische Ideen weiterzuentwickeln – bis hin zur eigenen Gründung.
Magdalena Weinle: Gerade der Übergang nach dem Schulabschluss gilt als kritische Phase. Mit dem Wechsel an die Hochschule oder in eine neue Stadt geraten frühere Gründungsideen oft in den Hintergrund. Ziel der Zusammenarbeit ist deshalb, junge Menschen auch in dieser Umbruchphase zu begleiten und ihnen einen kontinuierlichen Weg ins Gründungsökosystem zu eröffnen.
Warum beginnt erfolgreiche Gründungsförderung aus Ihrer Sicht schon in der Schule?
Eric: Weil viele junge Menschen bereits während der Schulzeit wichtige Entscheidungen für ihren weiteren Bildungs- und Berufsweg treffen. Wissensbasierte Gründungen brauchen nicht nur gute Technologien, sondern vor allem Menschen, die daraus Unternehmen entwickeln wollen. An Forschung und Innovation mangelt es in Deutschland nicht – entscheidend ist, unternehmerische Talente früh zu erkennen und zu fördern. Wer junge Menschen erst im Studium für Entrepreneurship gewinnen möchte, kommt häufig zu spät.
Magdalena: Aus Sicht von YEEP fehlte bislang vor allem der Anschluss zwischen ersten Berührungspunkten mit Entrepreneurship und dem eigentlichen Gründungsökosystem. Jugendliche besuchen einen Hackathon oder lernen ein Startup kennen und fragen sich anschließend: Wie geht es jetzt weiter? Genau diese Lücke soll geschlossen werden. Ziel ist es, junge Talente von der Schule bis hin zur möglichen Ausgründung zu begleiten und ihnen einen konkreten nächsten Schritt aufzuzeigen. Davon profitieren die Jugendlichen ebenso wie das Startup-Ökosystem, das langfristig mehr unternehmerisch denkende Talente gewinnt.
Wie versucht YEEP, junge Talente langfristig im Innovationsökosystem zu begleiten?
Magdalena: Gerade die Phase nach dem Schulabschluss ist dabei entscheidend. Damit Motivation und unternehmerisches Interesse nicht verloren gehen, setzt YEEP auf eine kontinuierliche Begleitung über zwölf Monate und schafft einen möglichst nahtlosen Übergang in das Studium und Innovationsökosystem. Die Teilnehmenden erwerben Gründungswissen und beschäftigen sich gleichzeitig mit Themen wie Persönlichkeitsentwicklung und unternehmerischem Denken. Dabei richtet sich das Programm bewusst an unterschiedliche Bildungswege. Entscheidend sind Motivation und Interesse – nicht Schulform oder Herkunft.
Ein zentraler Baustein ist das individuelle Mentoring. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer wird über ein Jahr hinweg von einer erfahrenen Mentorin oder einem Mentor begleitet – aus Startups, Unternehmen oder dem Innovationsökosystem. Gleichzeitig arbeiten die Teams an realen Praxisprojekten und Challenges von Unternehmen und Startups. So können sie ihr Wissen unmittelbar anwenden, wertvolle Kontakte knüpfen und das Innovationsökosystem nicht nur kennenlernen, sondern aktiv erleben.
Ebenso wichtig ist der Community-Gedanke. Durch die enge Zusammenarbeit über zwölf Monate entstehen belastbare Netzwerke, die häufig über das Programm hinaus bestehen bleiben. Ehemalige Teilnehmende sollen künftig als Alumni ihre Erfahrungen an neue Jahrgänge weitergeben. In einzelnen Teams sind aus der Zusammenarbeit bereits gemeinsame Gründungsideen und eine erste Ausgründung entstanden.
Was verändern die EXIST Startup Factories aus Ihrer Sicht an der bisherigen Gründungsförderung?
Eric: Aus unserer Sicht können die EXIST Startup Factories eine zentrale Rolle dabei einnehmen, den Hochschultransfer weiterzudenken. Ihr Auftrag ist es, wissensbasierte Ausgründungen aus Hochschulen zu stärken. Gleichzeitig bieten sie die Chance, bereits früher anzusetzen, Schulen stärker an das Gründungs- und Innovationsökosystem anzubinden und junge Talente aus bestehenden Programmen, Stiftungen und Initiativen auf ihrem weiteren Weg zu begleiten. Durch weiterführende Formate, Netzwerke und Förderangebote können Startup Factories den Anschluss an das Hochschul- und Gründungsökosystem schaffen und so einen durchgängigen Entwicklungspfad für unternehmerische Talente ermöglichen.
Genau hier setzen die Startup Factories an. Sie vernetzen junge Talente, Hochschulen, Wissenschaft, Unternehmen und das Startup-Ökosystem stärker miteinander und schaffen so einen durchgängigen Weg für unternehmerische Talente. Programme wie YEEP begleiten Jugendliche bereits während der Schulzeit und eröffnen ihnen konkrete nächste Schritte – statt dass das Interesse nach einem ersten Wettbewerb oder Workshop wieder verloren geht.
Für die Startup Factory bedeutet das einen größeren Pool an motivierten Talenten, für die jungen Menschen einen verlässlichen Gründungspfad – von der frühen Förderung über das Studium bis hin zur möglichen Ausgründung.
Warum fördern wir unternehmerische Talente eigentlich nicht so selbstverständlich wie sportliche oder musikalische Talente?
Eric: Unternehmerisches Talent wird in Deutschland häufig noch als Ausnahme betrachtet. Für sportliche, musikalische oder naturwissenschaftliche Begabungen gibt es etablierte Förderstrukturen – für unternehmerisches Denken dagegen deutlich weniger. Dabei geht es nicht nur darum, möglichst viele Unternehmensgründungen hervorzubringen, sondern junge Menschen früh zu befähigen, Verantwortung zu übernehmen, Chancen zu erkennen und eigene Ideen umzusetzen.
Magdalena: Entrepreneurship Education sollte deshalb kein Zusatzangebot sein, sondern selbstverständlicher Bestandteil von Bildung. Davon profitieren nicht nur diejenigen, die später gründen, sondern alle jungen Menschen. Es geht um ein unternehmerisches Mindset – Verantwortung zu übernehmen, Probleme anzupacken und Neues auszuprobieren, unabhängig davon, ob daraus später ein Startup entsteht oder nicht. Mehr Sichtbarkeit, mehr Vorbilder und mehr Offenheit an Schulen könnten dazu beitragen, Unternehmertum als gleichwertigen Bildungsweg zu etablieren.