Tradition trifft Gen Z
Wie Nachfolgegründung funktioniert, zeigte Brauerei-Chef Moritz Glauner im Start-upBW@School-Gespräch mit dem Wirtschaftsleistungskurs des Schiller-Gymnasiums. Foto: Start-up BW Young Talents
Wie führt man eine Traditionsbrauerei erfolgreich in die Zukunft, wenn junge Menschen immer weniger Alkohol konsumieren? Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz in einer jahrhundertealten Branche? Und was bedeutet es eigentlich, ein Familienunternehmen zu übernehmen?
Diesen Fragen stellte sich Moritz Glauner, Geschäftsführer von Alpirsbacher Klosterbräu, bei einem Besuch am Schiller-Gymnasium in Pforzheim. Im Rahmen des Projekts „Start-up BW@School“ des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg erlebten die Schülerinnen und Schüler des Wirtschaftsleistungskurses der Jahrgangsstufe 12 kurz vor den Weihnachtsferien keinen klassischen Unterricht, sondern ein offenes Wirtschaftsgespräch auf Augenhöhe. Eine Besonderheit: Erstmals war im Zuge der Landeskampagne kein Start-up-Gründer zu Gast, sondern ein Unternehmensnachfolger. Ein Perspektivwechsel, der bei den Jugendlichen auf großes Interesse stieß.
Harte Fakten statt Werbeblock
Der Wirtschaftsleistungskurs der Jahrgangsstufe 12 hatte sich akribisch vorbereitet. Ein detaillierter Fragenkatalog – von Bilanzsummen über den Fachkräftemangel bis hin zur Industrie 4.0 – wartete auf den Gast aus dem Schwarzwald. Ein zentrales Thema war der tiefgreifende Wandel im Konsumverhalten. Dass die Gen Z seltener zum Bierkrug greift, sieht Glauner nicht als Problem, sondern als klaren Handlungsauftrag: „Mit alkoholfreien Getränken und Saftschorlen treten wir an neue Zielgruppen heran“, erklärte der Geschäftsführer offen. Diese Produkte seien längst keine Nischen mehr, sondern ein wachsender Umsatztreiber, mit dem das Unternehmen seine Transformation aktiv angeht.
KI und Tradition schließen sich nicht aus
Auch neue Technologien spielten in der Diskussion eine zentrale Rolle. Auf die Frage nach dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz fand Glauner deutliche Worte:
„Ich bin überzeugt, dass Künstliche Intelligenz die Prozesse im Verwaltungsbereich revolutionieren wird. Hohe Investitionen in moderne Produktionsanlagen haben in den vergangenen Jahren zudem zu einem deutlichen Wachstum und einer stärkeren Zukunftsausrichtung beigetragen.“
Trotz Rezession und schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen präsentierte sich Alpirsbacher Klosterbräu stabil. Glauner betonte die Unabhängigkeit des Familienunternehmens, das er in fünfter Generation führt:
„Vor mir gab es vier Generationen, mit mir ist es die fünfte und die sechste wird es sicherlich auch geben.“
Gleichzeitig sprach er offen über aktuelle Herausforderungen wie steigende Rohstoffpreise und die Folgen des Klimawandels. Antworten darauf seien unter anderem Energieeffizienz, langfristiges Denken und regionale Lieferketten.
Nachfolge als Karriereoption
Der Schulbesuch war Teil der vom Wirtschaftsministerium geförderten Initiative, die die Themen Unternehmensnachfolge und Gründung als attraktive Perspektive beleuchten soll. Für Schulleiterin Katharina Meyer ein klarer Mehrwert:
„Es freut mich, dass Unternehmertum und Nachfolge zunehmend Raum im schulischen Kontext finden.“
Auch Kursleiterin Kristin Ehrler betonte die unmittelbare Relevanz für die Jugendlichen:
„Für einige Schülerinnen und Schüler ist das Thema ganz konkret, da sie durch familiäre Umstände selbst mit der Frage der Unternehmensnachfolge konfrontiert sind. Aber auch unabhängig davon ist die Sensibilisierung für unternehmerische Verantwortung enorm wichtig.“
Zum Abschluss gab Moritz Glauner den Unternehmerinnen und Unternehmern von morgen einen persönlichen Rat mit auf den Weg:
„Ich würde euch empfehlen, einen Mentor zu suchen. Es ist von Vorteil, jemanden zu haben, den man nach Rat fragen kann.“
Denn, so sein Fazit zum Ende der offenen Fragerunde:
„Ein Unternehmen zu übernehmen ist eine verantwortungsvolle Entscheidung, das muss gut überlegt sein.“
Organisiert wurde die Veranstaltung von der SIE – Software Innovation Education Steinbeis GmbH. Sie endete mit Applaus und einer Erkenntnis, die über den Unterricht hinausreichte: Wirtschaft ist nicht nur Theorie, sondern vor allem Anpassungsfähigkeit, Verantwortung und Dialog.