Was Jugendliche sich von Gesellschaft und Politik wünschen
Lernen durch Tun: Die Studienergebnisse der DKJS unterstreichen den Wunsch nach mehr Praxisbezug. Wenn Schülerinnen und Schüler gemeinsam an Projekten arbeiten, stärken sie die geforderten Zukunftskompetenzen und erleben Selbstwirksamkeit. Foto: @envato
Junge Menschen wollen gehört werden, Verantwortung übernehmen und die Zukunft aktiv mitgestalten. Gleichzeitig fühlen sich viele von ihnen gesellschaftlich und politisch zu wenig berücksichtigt. Das zeigt die repräsentative Online-Befragung der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), an der 1.500 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 26 Jahren teilgenommen haben. Besonders bemerkenswert: Die Studie wurde gemeinsam mit jungen Menschen entwickelt, ausgewertet und präsentiert.
Die Ergebnisse liefern wichtige Impulse für Politik, Bildung und gesellschaftliches Engagement, aber auch für die Arbeit des Netzwerks „Gründung in School“.
Zentrale Ergebnisse und Kernaussagen
- Großes Bedürfnis nach gesellschaftlichem Zusammenhalt: Für 78 Prozent der jungen Menschen ist gesellschaftlicher Zusammenhalt entscheidend für einen positiven Blick in die Zukunft. Gleichzeitig haben nur 43 Prozent das Gefühl, dass dieser Zusammenhalt tatsächlich vorhanden ist. In keinem anderen Bereich klaffen Wunsch und Realität so stark auseinander.
- Viele junge Menschen fühlen sich nicht zugehörig: Ein Drittel der Befragten (33 Prozent) hat das Gefühl, nicht richtig zur Gesellschaft zu gehören. Besonders betroffen sind junge Menschen in finanziell schwierigen Lebenslagen sowie junge Erwachsene zwischen 18 und 26 Jahren.
- Unterschiedliche Zukunftsperspektiven: Lediglich 40 Prozent der jungen Menschen vertrauen darauf, dass die Gesellschaft gemeinsam eine lebenswerte Zukunft gestalten kann. Dieses Vertrauen hängt stark von individuellen Lebensbedingungen wie Bildung, finanzieller Situation oder Wohnort ab.
- Politische Diskussionen werden als schwierig erlebt: 59 Prozent der Befragten nehmen eine zunehmende Polarisierung wahr. Gleichzeitig empfinden 47 Prozent politische Diskussionen als herausfordernd – unter anderem, weil sie sich nicht ernst genommen fühlen oder Zweifel haben, andere mit Argumenten überzeugen zu können.
- Eingeschränkte Meinungsfreiheit und Sicherheitsbedenken: Nur 42 Prozent fühlen sich frei, ihre politische Meinung offen zu äußern. Knapp ein Viertel (24 Prozent) hat bereits Einschüchterung oder Bedrohung erlebt, weil sie politisch Stellung bezogen haben. Besonders betroffen sind politisch engagierte junge Menschen.
- Gering wahrgenommene Einflussmöglichkeiten auf Politik: Mehr als die Hälfte (52 Prozent) glaubt, keinen Einfluss auf politische Entscheidungen zu haben. Bei den 14- bis 18-Jährigen steigt dieser Wert sogar auf 62 Prozent.
Politik wird als komplex wahrgenommen. Jeder zweite junge Mensch empfindet politische Prozesse als schwer verständlich. Gleichzeitig fühlt sich knapp ein Viertel nicht in der Lage, sich aktiv an politischen Gesprächen zu beteiligen. - Klare Erwartungen an das Bildungssystem: Rund vier von fünf jungen Menschen wünschen sich mehr Praxisbezug im Unterricht, moderne Ausstattung sowie eine stärkere Förderung individueller Talente. Zudem sprechen sich fast 70 Prozent für eine gezielte Unterstützung von Jugendlichen aus benachteiligten Lebenslagen aus.
- Soziale Ungleichheit bleibt ein zentrales Thema: 47 Prozent der jungen Menschen haben das Gefühl, ihre Familie finanziell unterstützen zu müssen. Gleichzeitig fordern 76 Prozent, dass alle jungen Menschen unabhängig von ihrer Herkunft gleiche Zukunftschancen erhalten.
- Geteilte Meinungen zum Wehr- oder Sozialdienst: Die Frage eines möglichen Pflichtdienstes polarisiert: 36 Prozent sprechen sich dafür aus, während 39 Prozent diesen ablehnen. Deutlich wird jedoch ein gemeinsames Anliegen: Junge Menschen wollen stärker in politische Entscheidungsprozesse einbezogen werden.
Bedeutung für das Netzwerk Gründung in School
Die Studie zeigt deutlich, wie stark sich junge Menschen Beteiligung, Mitgestaltung und reale Einflussmöglichkeiten wünschen. Entrepreneurship Education kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. Wenn junge Menschen lernen, Ideen zu entwickeln, Verantwortung zu übernehmen und Projekte eigenständig umzusetzen, stärken sie nicht nur wirtschaftliche Kompetenzen, sondern auch demokratische Teilhabe und gesellschaftliches Engagement. Ein Punkt, an dem auch der Initiativkreis „Gründung in School“ ansetzt.
Gemeinsam mit Mitgliedsinitiativen, Schulen und Partnern aus Wirtschaft und Gesellschaft schaffen wir Lernräume, in denen junge Menschen Selbstwirksamkeit erleben, ihre Perspektiven einbringen und ihre Zukunft aktiv gestalten können.
Fazit: Junge Menschen wollen Verantwortung übernehmen und gesellschaftliche Entwicklungen mitgestalten. Damit dies gelingt, braucht es mehr Beteiligungsmöglichkeiten, praxisnahe Bildung und Strukturen, die junge Stimmen ernst nehmen und stärken.
Die gesamte Studie ist auf der Webseite der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung zu finden unter: https://voiceup-dkjs.de/ergebnisse/bericht-online-befragung-2025/