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„Wirtschaftsstandort Deutschland stark und fit für die Zukunft machen“

Der Parlamentarische Staatssekretär Johannes Steiniger ist neuer Vorsitzender von „Gründung in school“ und erklärt im Interview, warum Entrepreneurship Education mehr als Gründungsvorbereitung ist.

Der neue Vorsitzende des BMWE-Initiativkreises Johannes Steiniger spricht im Interview mit Gründung in school über unternehmerisches Denken, Zukunftskompetenzen und die Frage, wie Entrepreneurship Education mehr junge Menschen erreichen kann. Foto: Henning Schacht

Schule, Politik und Wirtschaft: Johannes Steiniger ist seit 2026 Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und übernimmt den Vorsitz des Initiativkreises „Gründung in school“. Der studierte Gymnasiallehrer ist seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages und bringt so unterschiedliche Perspektiven zusammen.

Sein Blick auf Entrepreneurship Education ist dabei klar: Es geht nicht nur darum Wirtschaft und ökonomische Zusammenhänge zu erklären oder Gründungsgeist zu entfachen. Entscheidend sind die Erfahrungen, die dahinterstehen – eigene Ideen entwickeln, Verantwortung übernehmen, Dinge ausprobieren und Lösungen finden. Als neuer Vorsitzender des Initiativkreises möchte Steiniger dazu beitragen, dass solche Erfahrungen ihren festen Platz in der Schule bekommen.

Im Interview spricht er über den Wert unternehmerischen Denkens und Handelns und darüber, was sich verändern muss, damit Entrepreneurship Education möglichst viele junge Menschen erreicht.


Welchen Stellenwert hat unternehmerische Bildung für Sie Sie in Ihrer neuen Funktion als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium?

Start-ups, Gründerinnen und Gründer setzen eigene Ideen um, übernehmen Verantwortung und erneuern unsere Wirtschaft. Es ist wichtig, bereits in der Schule mehr über Wirtschaft zu erfahren, Interesse zu wecken und Chancen aufzuzeigen. Deshalb ist die Stärkung von Entrepreneurship Education in der neuen Startup- und Scaleup-Strategie der Bundesregierung verankert. Wir wollen damit unseren Wirtschaftsstandort Deutschland stark und fit für die Zukunft machen. Die jungen Menschen von heute sind die Gründerinnen und Gründer von morgen.


Schule soll junge Menschen auf eine Welt vorbereiten, die sich rasant verändert. Nicht jede Schülerin und jeder Schüler wird später ein Unternehmen gründen. Was kann Entrepreneurship Education für junge Menschen leisten?

Es geht nicht darum, dass am Ende alle ein Unternehmen gründen. Viel wichtiger ist die Erfahrung, eine eigene Idee zu haben oder ein Problem zu lösen: Wie kann ich vorgehen? Was kann ich daraus machen? Welche Chancen bieten sich? Schülerinnen und Schüler müssen selbst Fragen stellen, Strategien entwickeln, Entscheidungen treffen, im Team arbeiten, ausprobieren und ihre Ideen auch wieder verändern.


Zukunftsfähigkeit entscheidet sich auch daran, ob junge Menschen den Mut und die Fähigkeiten entwickeln, Veränderungen selbst mitzugestalten. Welchen Beitrag kann Entrepreneurship Education dazu leisten?

Ich glaube, dass Entrepreneurship Education vor allem eines vermitteln kann: Veränderung beginnt damit, dass man selbst aktiv wird. Mit den kreativen und spannenden Projekten können junge Menschen selbst Ideen entwickeln und etwas auf den Weg bringen. Wenn Schülerinnen und Schüler Lösungen für konkrete Probleme suchen und dabei auch einmal scheitern dürfen, lernen sie sehr viel über Eigenverantwortung, Teamarbeit und den Umgang mit Unsicherheiten und neuen Herausforderungen. Ich halte das gerade mit Blick auf die Zukunft für sehr wichtig. Wir können heute nicht wissen, welche Berufe und Geschäftsmodelle es in zehn oder zwanzig Jahren geben wird. Wir können jungen Menschen aber die Fähigkeit mitgeben, sich auf Neues einzulassen, Probleme zu erkennen und eigene Lösungen zu entwickeln. Genau darin sehe ich den großen Wert von Entrepreneurship Education.


Es gibt bereits viele starke Angebote für Entrepreneurship Education. Trotzdem hängt es noch zu oft davon ab, welche Schule ein Kind besucht, ob es eine solche Erfahrung machen kann. Was muss sich ändern, damit aus guten Einzelprojekten ein Angebot für alle wird?

Damit Entrepreneurship Education alle Schülerinnen und Schüler erreicht, braucht es entsprechende Inhalte in den Lehrplänen, gute Fortbildungsangebote für Lehrkräfte und eine stärkere Vernetzung von Schulen mit der Gründungs- und Wirtschaftspraxis. Entscheidend ist, dass jede Schule die Voraussetzungen und die Unterstützung bekommt, Entrepreneurship Education tatsächlich umsetzen zu können.


Sie übernehmen den Vorsitz des Initiativkreises „Gründung in school“. Was möchten Sie in dieser neuen Rolle konkret anstoßen?

Ich möchte mich vor allem dafür einsetzen, dass Entrepreneurship Education noch stärker in der Breite ankommt und langfristig ein selbstverständlicher Teil von Bildung wird. Möglichst viele junge Menschen sollten die Möglichkeit bekommen, Gründungsgeist und Unternehmertum praktisch zu erleben. Dabei geht es auch um den intensiveren Austausch zwischen Schulen, Start-ups und der Gründungspraxis. Denn Gründerinnen und Gründer, erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmen können die Lehrkräfte mit ihren Praxiserfahrungen unterstützen. Es gibt sehr viel Know-how und viele gute Beispiele – diese werden wir noch breiter in die Öffentlichkeit tragen. 

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